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k-nut
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Re: DiEM25 a feminist movement?

15 Jun 2017 10:26

Hallo Andrea,

es bestreitet niemand, das Deutschland ein historisch patriarchaisch geprägtes Land ist, in dem es zu lange Rechte für Männer gab, die es für Frauen nicht gab.
Hier bei spielte die US-Amerikanische Besatzungsmacht mit ihrem sehr konservativem Frauen- und Familienbild in der BRD eine besonders perfide Rolle.

Aber:
Ab November 1918 haben Frauen in Östreich und Deutschland das Recht an politischen Wahlen teilzunehmen.
Seit Mitte des 19.Jahrhunderts und der deutschen Romantik ist die Zwangsehe (ich meine damit nicht die arrangierte Ehe) nicht gesellschaftsfähig, selbst wenn heute noch bei Agrarunternehmern die Lebensweisheit "Liebe vergeht, Hektar besteht!" von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Und hier sind wir beim Thema der Selbstermächtigung!
Als Frau konnte man sich der von Dir angesprochenen gesetzlichen Diskriminierung von Frauen bis in die 70ger Jahre dadurch entziehen, das man eben nicht heiratete.
Frau musste dann eben persönliche Prioritäten setzen.

Frauen hatten dabei den Vorteil in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eher als hauswirtschaftlich Unfähig oder Frigide gehalten zu werden, als das man ihnen Homosexualität unterstellte, was bei den meisten, auf Dauer nicht verheirateten Männern passierte.
Es ist für mich auch selbstverständlich, dass die Paragraphen 175ff menschenrechtsverletzend waren.
Auch die Einschränkung dass das Bestimmungsrecht über den Bauchinhalt einer Frau nicht bei ihr liegen sollte sehe ich als Mumpitz an.

Es gibt und gab eine Alternative im bestehenden System die man wählen konnte und kann, aber jeder Mensch muss mit den auftretenden Schwierigkeiten leben, welchem jedem widerfährt wenn er nicht den Mainstreamweg geht; insbesondere wenn es dabei um Lebens- und Beziehungsentwürfe geht.
(Filmtipp "Ein Sommer in Orange")

Dennoch erlaube ich mir Quotenregelungen als Gegendiskriminierung und Unterdrückungswerkzeug zu betrachten, solange nicht jeder Mensch sein Geschlecht mit freiem Willen selber bestimmen kann und dabei nicht auch noch andere Alternativen als Mann/Frau zur Verfügung stehen.

Aarrr
k-nut

Hello Andrea,

No one denies that Germany is a historically patriarchal country, where there were too long rights for men who did not exist for women.
Here the US-American occupation power with its very conservative image of women and families played a particularly perfidious role in the FRG.

But:
As of November 1918 women in Austria and Germany have the right to participate in political elections.
Since the middle of the nineteenth century and the German romanticism, the compulsion (I do not mean the arranged marriage) is not fit for society, even if today the agrarian "love passes, hectares exist". From generation to generation.

And here we are at the theme of self-empowerment!
As a woman, you could escape the legal discrimination against women you were addressing until the 1970s, which were not married.
Frau then had to set personal priorities.

Women had the advantage in social perception rather than being economically incapable or frigid, as they were accused of homosexuality, which happened with most of the men who were not married in the long run.
It is also self-evident to me that paragraphs 175ff were human rights violations.
Also the restriction that the right to determine the abdomen content of a woman should not lie with her, I see as a mumpitz.

There is and was an alternative in the existing system that one could and can choose, but every human being has to live with the occurring difficulties, which every one goes against if he does not go the mainstream way; Especially when it comes to life and relationship drafts.
(Film tip "A Summer in Orange")

Nevertheless, I allow myself to view quotas as a territorial discrimination and oppression tool, as long as not every human being can determine his or her own free will, and there are not other alternatives available as man / woman.

Aarrr
k-nut
 
AndreaHirschmann
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Joined: 16 Mar 2016 15:43
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Re: DiEM25 a feminist movement?

15 Jun 2017 12:18

Hallo Knut,

danke für den Filmtipp; den kenne ich :-)

Natürlich haben Gesetze sich geändert zwischenzeitlich, aber:

AndreaHirschmann wrote:
Was natürlich auch in die Sozialisation und das Selbstverständnis (aller Geschlechter) hineinspielt. Die Generationen, welche mit einer solche Gesetzeslage aufgewachsen und dadurch stark geprägt worden sind, sind noch lange nicht ausgestorben.


Natürlich hat und hatte mensch immer die Wahl, einen Weg entgegen gesellschaftlicher Normen zu gehen, und den entsprechenden Preis dafür zu zahlen. Diese Erfahrung ist mir nicht unbekannt.

Doch nochmal möchte ich betonen, was ich schrieb:
"Allerdings können Mitmenschen natürlich dabei unterstützen, und genau das ist unsere gemeinsame Aufgabe, unabhängig von Geschlecht / Gender."

Und ich unterstütze definitiv, dass Menschen ihr Geschlecht nach freiem Willen bestimmen dürfen. Ich persönlich sehe das Ziel einer Gesellschaft ohne Geschlechter(oder sonstiger) -diskriminierung als gemeinsames Anliegen und es würde mich sehr freuen, wenn wir hier an einem Strang ziehen könnten anstatt einander auszuspielen.

Eine patriarchal geprägte Gesellschaft diskriminiert eben nicht nur Frauen, sondern alle Menschen ungleich männlich cis und hetero.

Was würdest Du denn von Quoten halten, welche eine Förderung der Repräsentation von "anderes Geschlecht" (oder eine passendere Bezeichnung) begünstigen, solange eine echte Gleichbehandlung gesellschaftlich noch nicht akzeptiert ist?

***
thanks for the hint to the film; I have seen it :-)

Of course laws have changed meanwhile, but:

AndreaHirschmann wrote:
Of course this influences socialisation and self-conception (of all genders). The generations who grew up with such laws and been heavily influenced by it have not died out yet.


And of course humans had and have the choice to live their lives opposing social normatives, paying the price for it. It is an experience not unknown to me.

But again I want to put emphasis on what I wrote:
"Of course other people can support this, and this is our common task, with no regard of gender. Until equal laws and chances will become reality."

This includes also free choice of gender, and I definitely do support this. I personally consider the goal of a society free from gender (or any other) discrimination a common one, and would be very happy if we could collaborate rather than antagonise.

A patriarchal society does not only discriminate women but any human being which is not male cis and hetero.

What would your opinion on quotas of "other gender" (or a more appropriate term) be as long as true equality is not accepted by society?
Deutsch *** English *** Italiano
 
Anke
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Re: DiEM25 a feminist movement?

15 Jun 2017 14:30

Hallo Knut und Andrea,

ich würde total gern hier die Vergangenheit in der Vergangenheit belassen und an der Gegenwart und Zukunft arbeiten. Wie kann Gleichberechtigung gelebt werden?

Solange noch diese –Knut, nicht böse sein- veralteten Ansichten und Vorurteile existieren, wird es nicht besser. Ich kenne mich mit der Gesetzeslage nicht aus und weiß auch nicht, was da noch für Tücken lauern. Aber ich kann versuchen die Realität zu gestalten.

Manchmal versuche ich in Situationen, wenn ich es merke, die „Benachteiligten“ ein wenig zu übervorteilen. Ich hoffe, dass wenn sie Unterstützung erfahren sie ihr Anliegen formulieren können oder das tun können, was notwendig ist. Ich versuche mal zwei Beispiele: ein Mann mit Blindenhund an der Ampel -hier versuchte ich dem Blindenhund Platz zu machen und vorsichtig die Situation verbal zu dokumentieren oder
eine Rollstuhlfahrerin vor einer haltenden Straßenbahn -ich hatte mich demonstrativ mit vor die Bahn gestellt, damit die Rollstuhlfahrerin gesehen wird
Das sind minimale Gesten und eigentlich nicht der Erwähnung wert. Das machen vielleicht unbewusst ganz viele Menschen! So lasst uns anfangen, würdevoll mit allen umzugehen.

Das ‚ein wenig übervorteilen’ ist, meiner Meinung nach, die Frauenquote. Zur freien Bestimmung des nach außen gewünschten Geschlechts ist es noch ein weiter Weg. Wie ist auf diesem Weg ein Anfang möglich?

Anke
 
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Stravelakis
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Re: DiEM25 a feminist movement?

20 Jun 2017 11:13

Joerg wrote:
in the Organising Principles I found the following sentence: "DiEM25 is a feminist movement promoting gender balance in all its bodies, including the CC".



I find it in poor taste to not include other nonfeminist gender issues in such important documents.
I get that it does not exclude, but imposing a non-visibility is a real problem. The trans and nonbinary community need to be present explisitetly in all documents, or at the very least there should not be any limiting of gender issues by the word feminism.
This is going to become an issue I feel, and we do need to preempt any problems that might arise from discriminating against such a suppressed group.

I am introdusing this issue in the DiEM25 gender equity workgroup, and I will (try to) get a possition or a change on this https://www.facebook.com/groups/diem25e ... 981469385/